Bremer Wissenschaftler – dem Geheimnis der Rapa Nui auf der Spur

Kategorie: Blog | 9. April 2015

Gunnar Brandt

Gunnar Brandt ist Mitarbeiter der Abteilung Ökologische Modellierung am ZMT und einer der Autoren der Studie zum Rätsel der Rapa Nui. (Foto: ZMT)

Was haben die Osterinsel, der Niedergang ihrer alten Kultur und Mathematik miteinander zu tun? Das passt doch nicht zusammen. Oder etwa doch? Wissenschaftler des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenökologie (ZMT) in Bremen überzeugen uns vom Gegenteil. Sie haben ein mathematisches Modell entwickelt, mit dessen Hilfe sie offene Fragen zum oft beschriebenen Kollaps der Hochkultur beantworten.

Bedeutende Ergebnisse

„Die Geschichte der Osterinsel wird oft als düstere Warnung vor unserer Zukunft angesehen, als Parabel für die Rücksichtslosigkeit des Menschen gegenüber seiner fragilen Umwelt“, erklärt Gunnar Brandt, Mitarbeiter der Abteilung Ökologische Modellierung am ZMT und einer der Autoren der Studie. Das Fehlen schriftlicher Quellen und eine karge Datenlage schaffen Raum für Spekulationen. So ranken sich um den Untergang des Volkes der Rapa Nui sehr gegensätzliche Theorien wie die „Ökozid“-These oder die Theorie des Genozids.

Die Wissenschaftler bezogen die verschiedenen Theorien mithilfe von Daten über den zeitlichen Verlauf der Abholzung und der Bevölkerungsentwicklung in ihre Arbeit mit ein und testeten diese auf ihre Plausibilität. Ihr Modell stützt sich insbesondere auf Rückstände des verschwundenen Palmenwaldes, die mit der Radiokarbonmethode datiert wurden.

Die Ergebnisse ihres Modells zeigen, dass sich der Niedergang der Rapa Nui wahrscheinlich sehr viel länger hinzog als bisher angenommen. Zwar ging die Zahl der Ureinwohner schon vor dem Eintreffen der Europäer zurück. Doch scheinen sie über lange Zeit in der Lage gewesen zu sein, sich an die Veränderungen in ihrer Umwelt anzupassen und ihre Ressourcen so zu bewirtschaften, dass ein abrupter Kollaps ausblieb. Die Ankunft der Europäer bedeutete schließlich eine zusätzliche, sehr dramatische Störung, der die bereits angeschlagene Inselbevölkerung nicht mehr trotzen konnte.

Großer Fortschritt

Die aktuelle Studie ist ein großer Fortschritt in der Debatte um die Geschichte der Osterinsel, da sie die kontroversen Theorien anhand objektiver und quantitativer Daten bewertet. Sie zeigt, dass erst ein Zusammenspiel von Übernutzung natürlicher Ressourcen, Dezimierung durch Krankheiten und Versklavung den Niedergang der Rapa Nui zufriedenstellend erklären kann.

Mehr erfahrt ihr auf der Website des ZMT und im Magazin „Frontiers in Ecology und Evolution“.

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