Bremen fördert forschende Frauen

Der Internationale Weltfrauentag wird seit 1911 gefeiert. Zwischen 1900 und 1909 durften Frauen sich erstmals ordnungsgemäß an deutschen Hochschulen immatrikulieren. Bis Frauen die Möglichkeit zur Habilitation offenstand, mussten sie noch weitere zwölf Jahre warten. Zum Weltfrauentag erfahrt ihr bei uns, welche Rolle Frauen damals wie heute in der Bremer Wissenslandschaft einnehmen und welche Förderprogramme euch bei eurer Uni-Karriere unterstützen.

Mehr als 50 Prozent der HochschulabsolventInnen in Deutschland sind weiblich. Dennoch liegt der Anteil von Frauen in führenden wissenschaftlichen Positionen meist unter 25 Prozent. Dies gilt besonders für die sogenannten MINT-Fächer: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Auch wenn der Anteil von Frauen in der Wissenschaft weiterhin gering ist, gab es in der Bremer Wissenschaftsgeschichte schon immer Frauen, die herausstachen. So zum Beispiel auch Grete Henry-Hermann.

Starke Frauen in der Wissenschaft: Grete Henry-Hermann

Grete Henry-Hermann zusammen mit Minna Specht. Quelle: Bremer Frauenmuseum e.V.

Grete Henry-Hermann zusammen mit Minna Spechtt. Quelle: Bremer Frauenmuseum e.V.

Die 1901 geborene Bremerin Grete Hermann war eine der ersten Bremer Wissenschaftlerinnen, Mitbegründerin der Uni Bremen und Kämpferin gegen den Nationalsozialismus.

Sie studierte im Anschluss an ihr Abitur in Göttingen und Freiburg Mathematik, Physik und Philosophie mit anschließender Promotion. Als Privatassistentin des Philosophen Leonard Nelson legte sie ihren Forschungsschwerpunkt auf die philosophischen Grundlagen der Quantenmechanik.

Als Verfechterin des Sozialismus war Grete Hermann Mitglied des internationalen Sozialistischen Kampfbundes – eine aktive Gruppe im Kampf gegen den Nationalsozialismus. Für die parteieigene Tageszeitung „Der Funke“ arbeitete sie als Redakteurin. Ende der 1930er Jahre begab sie sich zunächst ins Exil nach Dänemark und schließlich nach England, wo sie durch die Scheinehe mit Eduard Henry die britische Staatsangehörigkeit erlangte.

Nach dem zweiten Weltkrieg kehrte Grete Henry-Hermann zurück nach Bremen engagierte sie sich am Aufbau der Pädagogischen Hochschule in Bremen. Sie übernahm 1947 die Leitung und war von 1950 bis 1966 als Professorin für Philosophie und Pysik tätig. 1973 wurde die Hochschule in die Bremer Universität integriert. Heute gehört die Uni Bremen als eine von elf deutschen Unis zur Exzellenzinitiative.

Ihr möchtet mehr über Bremer Wissenschaftlerinnen erfahren?

Vom 1. Mai bis 21. August 2016 wartet das Focke-Museum mit der Sonderausstellung „Bremer Frauen Geschichten“ auf, die das Leben von 60 Bremerinnen auf unterschiedliche Weise beleuchtet.
Parallel zur Ausstellung stellt der Bremer Frauenmuseum e.V. den Begleitkatalog zur Ausstellung „Frauen Geschichte(n). Biografien und FrauenOrte von Frauen aus Bremen und Bremerhaven“ vor – eine Neuauflage des Bremer Frauenlexikons. Enthalten sind 300 Biografien von Frauen, die in Bremen und Bremerhaven gelebt und gewirkt haben. Der Katalog wird am 2. Mai 2016 in der Bremer Stadtbibliothek in der Reihe „Buchprämiere“ präsentiert.

Unterstützung für Frauen und Mädchen in der Wissenschaft

In Bremen gibt es zahlreiche Initiativen und AkteurInnen, die sich im Bereich Frauenförderung engagieren und auch im MINT-Bereich verstärkt tätig sind. So ist zum Beispiel die Hochschule Bremen 2013 zum zweiten Mal mit dem TOTAL EQUALITY Prädikat ausgezeichnet worden, „für beispielhaftes Handeln im Sinne einer an Chancengleichheit ausgerichteten Personalführung.“ Das 4. Aktionsprogramm der Hochschule Bremen zeigt Ziele und Maßnahmen zur Gleichstellung von Frauen auf.

Um junge Frauen und Mädchen zu ermutigen und zu unterstützen, gibt es in Bremen verschiedene Einrichtungen, an die ihr euch wenden könnt. Eine Auswahl von Förderprogrammen der Uni Bremen bekommt ihr hier:

  • Das Grete-Henry-Programm bezweckt den Anteil von Frauen in allen wissenschaftlichen Bereichen der Universität zu steigern und eine größere personelle Vielfalt zu erreichen.
  • Das Kompetenzzentrum für Frauen in Naturwissenschaft und Technik setzt sich für einen erhöhten Studienanteil von Frauen in den MINT-Fächern ein. Es berät Frauen und Mädchen im Land Bremen und bundesweit – ob Schülerinnen, Studentinnen, Absolventinnen und Fachfrauen. Der Girls Day der Uni Bremen, die Informatica Feminale und die Ingenieurinnen-Sommeruni sind jährliche wiederkehrende Veranstaltungen, die das Kompetenzzentrum ausrichtet.
  • Das MINT-Coaching Programm ist ein Lehrangebot für Bachelorstudentinnen innerhalb der General Studies der Fachbereiche 1 bis 5 der Uni Bremen. Das Coaching Programm bereitet weiblichen Nachwuchs im naturwissenschaftlichen und technischen Bereich auf ihre Aufgaben als Fach- und Führungskräfte vor.
  • plan m Mentoring in Science richtet sich an Frauen, die eine wissenschaftliche Karriere als Professorin oder eine leitende Position anstreben. Das Mentoring Programm umfasst zwei Jahre und richtet sich im abwechselnden Turnus an Geistes- und Sozialwissenschaftlerinnen oder Absolventinnen der MINT-Fächer.
  • Beim Autonomen Feministischen Referat der Uni Bremen bekommt ihr Zugang zu Veranstaltungen rund um Geschlechteridentitäten. Hier findet ihr ebenfalls eine Reihe von Kontaktadressen, an die ihr euch in Notsituationen oder bei Beratungswünschen richten könnt.