Die Neugier weitergeben

Preisgekrönter Verfahrenstechniker forscht und lehrt in Bremen

Wissenschaftler zu werden ist häufig nicht einfach nur ein Beruf, vielmehr eine Berufung. So zumindest geht es Prof. Dr. Lutz Mädler von der Universität Bremen. Der preisgekrönte Verfahrenstechniker hat schon in der Jugend das Staunen für sich entdeckt. Die Neugier über die vielen technischen Dinge des Alltags, die einen umgeben und die so selbstverständlich erscheinen: Ein Fahrrad, eine Glühbirne, ein Auto. Oder auch die Beobachtung: Warum löst sich Zucker im Kaffee auf? Warum kann man durch Glas hindurch gucken, durch Holz aber nicht? Diesen Dingen ging er auf den Grund. Er geht den Weg des Staunens stetig weiter, hinterfragt nicht nur, sondern entwickelt aus seinem Wissen Neues.

Der Wissenschaftler Lutz Mädler in einem Laboratorium.

Prof. Dr. Lutz Mädler erhält den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Foto: WFB/Jonas Ginter

Weg der Begeisterung führt ihn zum Leibniz-Preis

Mädler folgt seiner Begeisterung: Dem Studium der Physik abgeschlossen mit seiner Promotion schloss er ein Ingenieurstudium an. Heute ist der 46-jährige Professor für Mechanische Verfahrenstechnik an der Uni Bremen und Direktor der Hauptabteilung Verfahrenstechnik des Instituts „Stiftung Institut für Werkstofftechnik“ (IWT). Der Wissenschaftler beschäftigt sich mit sehr, sehr kleinen Teilchen, die erstaunliche Eigenschaften mit sich bringen. Für seine herausragende Forschung in diesem Bereich – der so genannten Nanoteilchen – bekommt Lutz Mädler in diesem Jahr den Leibniz-Preis, einen der renommiertesten Wissenschaftspreise überhaupt. Für den Wahlbremer eine Aufforderung, den bisher beschrittenen Weg zielstrebig weiterzugehen.

Sonderforschungsbereich will neue Methode entwickeln

Ist er doch mit seinem Team ein Teil des Sonderforschungsbereiches 1232 „Farbige Zustände“ –  “Von farbigen Zuständen zu evolutionären Konstruktionswerkstoffen“, der Großes vorhat. Denn die Bremer unter der Leitung von Lutz Mädler möchten dem Zufall auf die Sprünge helfen. Es geht darum, eine neue Methode zu entwickeln, mit der in sehr kurzer Zeit Metalle geschaffen werden können, die genau die Eigenschaften mitbringen, die man sucht. Im Metallbereich sei es sehr schwer, Stoffe mit bestimmten Eigenschaften zu finden, erläutert Mädler. Deshalb mache man bisher noch häufig Kompromisse, wenn nicht Glück nachhelfe. Mit der neuen Methode, die sehr schnell arbeiten soll, wird der Zufall berechenbar.

Die Lehre ist Lutz Mädler sehr wichtig

Das interdisziplinäre Projekt ist schon gestartet und erfährt breite Unterstützung durch die Universität Bremen, wie auch durch das Land Bremen. Die wichtige Rolle des Umfeldes bei dem umfassenden Unternehmen beschreibt der Forscher so: „Was wirkt, ist, dass es Menschen gibt, die unterstützen und die einem das zutrauen. Dafür bin ich dankbar.“ Und er ergänzt: „Wir transportieren ganz viel über den Menschen, das verbindet die Dinge.“ Lutz Mädler geht auf in seiner Aufgabe und er mag das Zusammenspiel von Lehre und Forschung. „Für die Lehre muss ich die Dinge nochmal tiefer durchdringen. Das hilft mir. Und umgekehrt kommen aus der Lehre manchmal erstaunliche Erkenntnisse.“ Er möchte seine Begeisterung weitergeben, die Dinge wortwörtlich zu „begreifen“. Lerne man doch besser, wenn man etwas tue. Dabei sei in der Wissenschaft allerdings nicht nur die Kreativität wichtig, sondern ein umfangreiches Wissen ist elementar. „Es braucht die Grundlagenkenntnisse im Kopf, nicht nur im Smartphone“, merkt der Professor an.

Dose wird zum Gefährt

In einem Projekt mit Studierenden entwickelt er z.B. ein Chemcar. Bei dem Versuch, Rennfahrzeuge mit modernen Antriebskonzepten zu bauen und zu testen, stellen sich viele Aufgaben. Denn so ein Fahrzeug braucht nicht nur einen alternativen chemischen Antrieb, es muss auch exakt eine vorgegebene Strecke zurücklegen. Wie bringe ich die chemischen Reaktionspartner und -geschwindigkeiten zusammen, so dass es funktioniert? Das ist die komplexe Aufgabe für die Studierenden. Eine spannende Sache, die begeistert. „Da bleiben die Teilnehmenden dann einfach weiter dran“, freut sich der Professor. Genau diese Begeisterung für die Dinge möchte Mädler transportieren.

Gespür für Technik frühzeitig entwickeln

Eine Gruppe aus Kindern Erwachsenen bei einem Experiment.

Die Kooperation mit Schulen ist dem Bremer Wissenschaftler wichtig. Foto: Claudia Sobich/SFB 1232

Dabei sollte der Sinn für Technisches bereits in der Schule angesprochen werden. Denn das Gespür für Technik sei zurückgegangen, bedauert der Verfahrenstechniker. Deshalb müsse man die jungen Leute für das Ingenieurstudium anders packen, die Neugier frühzeitig wecken. Dafür hat Mädler mit dem SFB 1232 ein Projekt mit der Bremer Wilhelm Focke Oberschule entwickelt. Manches anschauliche Experiment hat der Forscher für die Schülerinnen und Schüler dabei im Gepäck. „Wir wollen Schülerinnen und Schüler erreichen, bevor sich der Berufswunsch verfestigt hat“, ergänzt auch Claudia Sobich von der Öffentlichkeitsarbeit des SFB. Dabei sollen alle abgeholt werden, Mädchen wie Jungen.

Gute Zukunftschancen für Verfahrenstechniker

Immerhin seien die Zukunftschancen sehr gut für Ingenieure. Verfahrenstechniker werden gebraucht in Deutschland, auch speziell in Bremen: „Unsere wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter  haben nach Abschluss ihrer Promotion bisher alle einen Job gefunden und auch von unseren Studierenden hören wir, dass sich ihnen viele gute Job-Möglichkeiten auftun.“

Nach zahlreichen Stationen auf der ganzen Welt hat der Weg Lutz Mädler 2008 an die Universität Bremen geführt. „Ich empfinde es als ein großes Privileg, jeden Morgen mit dem Rad durchs Grüne zur Uni fahren zu können“, sagt er und ergänzt: „Und wenn ich Gästen die Altstadt zeige, bin ich schon ein bisschen stolz, in so einer schönen Stadt zu leben.“

Ein Interview mit Prof. Dr. Lutz Mädler findet sich bei Wissenschaft persönlich.