Mathe ist viel mehr als rechnen

Der Verein Mathematik in Bremen! e.V. veranstaltet Workshops für mathematikbegeisterte Jugendliche

An Mathe scheiden sich bekanntlich ja die Geister. Für die einen ist es in der Schule ein Albtraum. Den anderen fällt das abstrakte Denken und Jonglieren mit Zahlen ganz leicht. An die, die einen leichten Zugang zur Welt der Formeln und Zahlen finden, wenden sich die Workshops für mathematikbegeisterte Jugendliche, die der Verein Mathematik in Bremen! e.V. regelmäßig veranstaltet.

Workshop für die Klassen 10 und 11 im Haus der Wissenschaft

In mehreren Klassenstufen zusammengefasst treffen sich die Mädchen und Jungen zu einer festen Zeit, um unter fachlicher Anleitung mathematischen Fragen auf den Grund zu gehen. So gibt es jeden zweiten Samstag im Haus der Wissenschaft einen Workshop für Schülerinnen und Schüler der Klassen 10 und 11. Steffen Maaß leitet die Treffen an. Der Mathestudent der Jacobs University hat früher selbst an den Workshops des Vereins teilgenommen. Er freut sich, seine Begeisterung für die knifflige aber logische Materie jetzt weitergeben zu können. Für den Workshop hat er den Teilnehmenden heute ein Arbeitspapier mitgebracht. Das Thema, um das es diesmal geht, ist die Graphentheorie. Etwas, das so nicht im Lehrplan der Schule vorkommt. Für Steffen „eines der schönsten Themen, die es gibt.“

Graphentheorie – ganz praktisch

„Wer kann das Netz dieses Körpers zeichnen?“, stellt er seine Frage jetzt an die Runde. Der Stift geht an Franka, die den Polyeder auf das Blatt des Flipcharts aufmalt. „Jede Ecke ist ein Knoten, jede Seite eine Kante“, führt der angehende Mathematiker die Gruppe nun an eine Formel heran, für die es anschließend einen Beweis zu führen gilt.

Im Mittelpunkt steht das abstrakte Denken

Die Zehntklässlerin hat schon in der Grundschule bei der Mathe-Olympiade mitgemacht. Mathe fällt ihr einfach leicht, wobei ihr an den Treffen besonders gefällt auf Menschen zu treffen, die gleiche Interessen teilen. Irgendwie ticken alle ein bisschen auf der gleichen Wellenlänge, und so seien inzwischen auch Freundschaften untereinander gewachsen, freut sich die Schülerin. Außerdem hätten die Workshops gar nicht so viel mit Schulmathe zu tun. Es gebe dort ganz andere Fragestellungen, gehe über den Schulstoff hinaus: „Im Mittelpunkt steht das abstrakte Denken, und die Leiter geben immer wieder gute Tipps, um Lösungen zu finden.“ Es ist eine spannende Welt, in die die 16-Jährige hier regelmäßig eintauchen kann. Allerdings, auch wenn sie wohl im kommenden Schuljahr Mathe und Physik als Leistungskurse wählen wird, geht sie derzeit davon aus, dass ihr künftiger beruflicher Weg nicht weiter mit der Mathematik zu tun haben wird. „Ich habe auch ganz viele andere Interessen, wie Sport oder Musik. Im Moment mag ich Deutsch in der Schule gerade besonders“, sagt sie. Trotzdem begleitet Franka die Begeisterung für die Mathematik weiter, und sie hat auch schon das Land Bremen bei der einmal jährlichen Bundesrunde der Mathematik-Olympiade vertreten dürfen.

Ein ausgefülltes Trainingswochenende für die Mathe-Olympiade

Die Bundesrunde der Mathematik-Olympiade wird in diesem Jahr vom 30. April bis 3. Mai in Bremerhaven ausgetragen. Die Gymnasiastin ist auch diesmal – freiwillig – zu dem Vorbereitungstreffen mitgefahren. Hier können die Teilnehmenden des Wettbewerbs und Gäste intensiv trainieren – auch für den großen Tag. Angeleitet wird das Wochenende von dem Mathematiker Dr. Reimund Albers, der seit rund einem Jahrzehnt der Organisator der Mathematik-Olympiade ist für das Land Bremen. Dem Trainer ist es ein wichtiges Anliegen, die Schülerinnen und Schüler bestmöglich vorzubereiten für ihren Weg durch den Wettbewerb. „Es macht Spaß zu erleben, wie sie ganz eigene Lösungswege finden“, fasst Reimund Albers zusammen.

Das Bremer Team der Mathmatik-Olympiade 2016. Foto: Mathematik in Bremen! e.V.

Bremerinnen und Bremer nehmen auch an „Jugend forscht“ teil

Julian nimmt ebenfalls an den Workshops im Haus der Wissenschaft teil. Auch der 15-Jährige hat die Bremer bereits bei einer Bundesrunde vertreten – und zwar bei der von „Jugend forscht“ im Jahr 2015 in Ludwigshafen, gemeinsam mit Steffen. Bei „Jugend forscht“ findet sich das Land Bremen die vergangenen Jahre gut vertreten. Auch 2017 verzeichnet Bremen einige Spitzenpositionen im Bundesländervergleich, so zum Beispiel mit 647 Anmeldungen aus Bremen und Bremerhaven die höchste Teilnehmerquote in Relation zu den Einwohnern. Und auch bei der Frauenquote liegt Bremen auf Platz 1. Für den Bereich Mathe/Informatik haben sich in diesem Jahr für den Bundeswettbewerb im Bereich Mathe/Informatik gleich fünf talentierte Jungforscher von der Weser qualifiziert.

Teilnehmer und Workshop-Leiter zugleich

Die Mathe-Workshops besucht Julian schon über viele Jahre. Neben seiner Kursteilnahme leitet er zudem selbst einen Workshop für die Klassenstufen sechs bis acht. Der Gymnasiast kann sich durchaus eine Karriere im mathematisch-naturwissenschaftlichen Sektor vorstellen. Ob das an einer Universität sein wird oder in der Industrie, steht allerdings im Moment noch nicht fest. Die Durchführung der Matheworkshops, gemeinsam mit einem gleichaltrigen Partner, macht ihm jedenfalls sehr viel Spaß.

Die Zeit verfliegt nur so beim Knobeln

Jetzt knobelt er – wie die anderen im Raum – konzentriert weiter an der Aufgabe aus der Graphentheorie. Währenddessen beginnen die Kirchenglocken am Dom zu läuten. Sind die zwei Stunden etwa schon um? Ja, die Zeit ist verflogen. Es ist gleich zwölf Uhr mittags. Höchste Zeit, zum Schluss zu kommen – zumindest für heute. Hausaufgaben gibt es keine. Dafür bleibt manche Frage offen, die beim kommenden Treffen sicher in der Gruppe weiterdiskutiert wird.

So spannend und kurzweilig kann Mathe sein.

Talentfahrt des Vereins Mathematik in Bremen! im Sommer

Der Bremer Matheverein veranstaltet auch Talentfahrten. Die nächste Fahrt geht in der ersten Sommerferienwoche ins Schullandheim nach Hepstedt. Auf den Fahrten wird zum einen mathematisch gelernt, geknobelt und diskutiert, zum anderen werden auch Spiel, Spaß und Gemeinschaft groß geschrieben. Auf der Homepage des Vereins Mathematik in Bremen! e.V. gibt es dazu nähere Informationen.

Zu guter Letzt eine Aufgabe zum Ausprobieren

Für alle, die auf den Geschmack gekommen sind und jetzt selbst ein bisschen mathematisch knobeln möchten, hier eine Aufgabe, die für die sechste Klassenstufe gedacht ist: Sabine liest ein Buch, das 342 Seiten hat. Sie hat sich für jeden Tag ein Paket von gleich vielen Seiten vorgenommen. Am siebten Tag hat sie bereits 21 Seiten gelesen. Wie viele Tage bleiben ihr noch zu lesen?

Viel Spaß!